Rhede (fba) – “Kiebitzeier zu suchen ist in den Niederlanden ein Sport”, erzählt Simon Slagman aus Papenburg. Der gebürtige Niederländer und Wahl-Emsländer hat sich das Wissen darum, wie man die Eier der geschützten Wiesenvögel findet, seit früher Kindheit angeeignet.

Heute wende ich diese Kenntnisse aber an, um die Gelege zu schützen”, betont der Naturliebhaber. Slagman hat gemeinsam mit den Landwirten in der Region Rhede / Brook, Tunxdorf und Aschendorf ein vom Landkreis Emsland gefördertes Projekt zum Schutz der vom Aussterben bedrohten Wiesenvögel erfolgreich umgesetzt. Er und die ansässigen Bauern arbeiten bereits im 3. Jahr zusammen.

Das Prinzip ist einfach. Slagman sucht Kiebitz-Gelege und kennzeichnet sie durch Bambusstangen. Wenn die Landwirte im Frühling mit dem Pflügen, Mähen, Säen oder Düngen beginnen, sehen sie diese Markierungen und sparen die entsprechende Stelle auf dem Acker aus. Pro geschütztem Gelege bekommen die Landwirte einen bestimmten Geldbetrag, der vom Landkreis aus EU-Fördermitteln zur Verfügung gestellt wird. “Natürlich gibt es das Geld nur, wenn die Gelege unversehrt sind”, so Slagman. Wiesenvögel benötigen offenes Gelände und brüten deshalb gern auf Äckern, Grünland, Heideflächen oder Wiesen. Oft werden solche Flächen landwirtschaftlich genutzt, weshalb Slagman die Bauern mit ins Boot holte. Viele Landwirte rufen ihn nun von selbst an, wenn sie mit ihren schweren Maschinen loslegen wollen. Slagman geht mit ihnen zum Feld und gibt Anweisungen. Dieses Vorgehen, so der Frührentner, sei sehr arbeitsintensiv, auch wenn er eigentlich recht viel Zeit habe. “Auch für die Landwirte ist das mit einem gewissen Aufwand verbunden, vor allem, weil sie nicht nur selbst aufpassen, sondern zudem Lohnunternehmer oder Auszubildende informieren müssen”, weiß Slagman.

Einer der Landwirte, die sich um den Schutz der Wiesenvögel kümmern, ist Gerd Specker-Dünnhöft. Er ist froh, dass es den Niederländer vor einigen Jahren in die Gegend verschlagen hat: “Die Förderung durch den Landkreis ist das Eine. Wenn es aber keine Leute wie Simon Slagman geben würde, der das aus Überzeugung und mit viel Eigeninitiative macht, dann würde gar nichts funktionieren.” Das Lob kann Slagman nur zurückgeben. Er freue sich, dass die Landwirte sich so gut informiert haben, dass sie mittlerweile sogar dann bescheid sagen, wenn sie ein bisher unentdecktes Gelege finden. “Im 1. Jahr wussten sie nicht mal wie so ein Gelege aussieht, und nun sind die Landwirte sehr engagiert.”

Zwar habe es auch in diesem Jahr einige Unfälle gegeben, bei denen Gelege versehenlich zerstört wurden, aber im Ganzen sei die Zusammenarbeit sehr gut gewesen, betont Slagman. Sorgen hingegen mache ihm die Nestplünderung durch Raubwild. In diesem Frühling sind 121 Gelege von Wiesenvögeln mit 410 Eiern gefunden worden.

Auf den Kiebitz entfielen dabei 109 Gelege, 6 auf den Austernfischer, 3 auf den Rotschenkel und bei den Uferschnepfen gab es ebenfalls 3 Gelege. “Leider konnte nur bei 31 Gelegen festgestellt werden, dass aus den Eiern Küken geschlüpft sind, das sind gerade mal 23 Prozent”, so Slagman. Hauptsächlich Fuchs und Rabenkrähe seien eine Gefahr für die Nester. Ab und zu wurden in einer Nacht 10 Gelege geraubt, ” informiert der Naturschützer. Dabei ist die Anzahl der in der Region lebenden Vögel etwa gleich geblieben: 60 bis 70 Kiebitze, 5 bis 10 Austerfischer, 3 bis 5 Rotschenkel und drei bis 5 Uferschnepfen wurden gezählt. Das nur 23 Prozent der Eier auch ein Küken hervorbrachten, ist im Vergleich zu 2008 ein schlechtes Ergebnis. “Hoffentlich wird das Raubwild stärker bekämpft. Dieses Jahr war katastrophal für die Entwicklung der Wiesenvögel”, meint Slagman. Ein schönes Ereignis hat es für ihn trotzdem gegeben. Kiebitze legen in der Regel immer 4 Eier im Nest ab. Slagman jedoch fand ein Nest mit 5 Eiern darin: “Ich habe schon seit meiner Kindheit Eier gesucht und tausende Gelege gesehen, aber das war das 1. Mal”, staunt der Niederländer.

Veröffentlicht am 16.08.2009 von der EL am Sonntag

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