Wissenschaftler und Behörden ziehen positive Bilanz des 2006 begonnenen Programms in Auen und Lienerloh.

Lindern (wk) – Eine positive Bilanz des 2006 begonnenen Wiesenschutzprogramms in den Linderner Bauernschaften Auen und Lienerloh haben jetzt auf einer Konferenz in Auen alle an diesem Projekt Beteiligten gezogen.

Geleitet wird das Programm das dem Artenschutz der Gelege von Wiesenvögeln wie dem Kiebitz oder dem großen Brachvogel dient von Professor Dr. Heinz Düttmann von der Uni Osnabrück. Beteiligt sind außerdem Johann Vietz als Bereichsleiter Naturschutz der Kreisverwaltung Cloppenburg, seine Mitarbeiterin Hildegard Zurborg, Brigitte Thien, von der Fachhochschule Osnabrück, die ihre Diplomarbeit über das Projekt schreibt, sowie die Studentinnen Jennifer Schäfer und Daniela Hartwig, die in das Projekt eingebunden sind. Eingeladen waren ebenfalls die Landwirte aus den Bereichen Auen, Lienerloh und Holthaus mit ihren Sprechern Heinrich Kollmer und Hubert Moorkamp, die sich ebenfalls tatkräftig für das Projekt einsetzen.

Alle Beteiligten waren sich einig, dass die bisher erfolgreiche Zusammenarbeit von Landwirten und Betreuern ein guter Weg sei, der in jedem Fall im kommenden Jahr fortgesetzt werden soll. Ziel ist es weiterhin, die Wiesenvögel bei der Aufzucht der Küken zu unterstützen, um so die Bestände aufrechtzuerhalten.

Auf dem Treffen erläuterte Prof. Düttmann das Programm und vor allem die Ergebnisse des Gelegeschutzes. 60 Prozent der Küken seien geschlüpft, freute sich der Experte. Diese Zahl könne aber noch deutlich erhöht werden. 75 Prozent der Verluste seien durch Nachträuber wie Fuchs oder Hermelin und 25 Prozent durch Tagräuber wie Greifvögel und Krähen verursacht worden.

Es seien keine Verluste beim Schlüpfen durch die Landwirtschaft entstanden, betonte der Professor. Zum Verbessern des Aufwuchserfolgs schlug Düttmann das Anlegen von fünf bis zehn Meter breiten Schutzstreifen entlang von Gewässern (Graben, Radde), die Bekämpfung der Räuber (Fuchs, Marder) und einen Mähtermin des Schutzstreifens ab 15. Juni vor.

Johann Vietz teilte mit, dass eine Nachmeldung für den Wiesenvogelschutz in Niedersachsen an die EU erfolgt sei. EU-Auflage sei dabei, dass der Bestand der Vogel sich nicht verschlechtere und daß kein Grünland zu Ackerland umgewandelt werde.

Vietz betonte ausdrücklich die gute Zusammenarbeit zwischen dem Landkreis, den Vogelschützern und den Landwirten. Einen großen Anteil habe dabei Ortslandvolkvorsitzender Heinnch Kollmer aus Auen.

Wer im Frühjahr 2007 in den Raddewiesen unterwegs war, hebe sich sicher gefragt, warum hier und dort dünne Stäbe willkürlich im Boden steckten. Wer dann genau hinsah, konnte zwischen den Stäben einen brütenden Vogel erkennen. Markiert wurden die Nester von den Betreuern eines neuen Schutzprogramms des Landkreises Emsland und der anderen Landkreise entlang der Mittelradde und Marka.

In Zusammenarbeit mit Landwirten, Wissenschaftern den Landkreisen wurden die Gelege von Kiebitz, Uferschnepfe und großem Brachvogel vor der landwirtschaftlichen Bearbeitung dieser Neststellen geschützt.

Die markierten Gelege wurden entweder umfahren oder um wenige Meter versetzt. Anlass dieses Vorhabens ist der immer noch anhaltende Bestandsrückgang der Wiesenvögel in ganz Deutschland und die schon in den Vorjahren durchgeführten wissenschaftlichen Untersuchungen des Biologen Düttmann in den Vreeser Wiesen und Bockholter Dose.

In regelmäßigen Abständen wurden die Fliehen entlang der Mittelradde und Marka in Vrees, Bockholte, Werlte, Auen, Lienerloh und Holthaus vom Team Düttmanns aufgesucht und nach Wiesenvögeln Ausschau gehalten.

Der Kiebitz bevorzuge für sein Gelege eine niedrige Vegetation und eine freie Sicht. Der große Brachvogel dagegen mag es etwas dichter und bevorzugt die hoher gewachsenen Bereiche. In Auens Raddewiesen konnten 23 Kiebitzgelege markiert werden, von denen 17 Gelege schlüpften. Sieben Gelege gingen verloren, durch Fuchs, Marder oder Hermelin. In Lienerloh wurden 13 Kiebietzgelge gefunden, von denen elf schlüpften. In Uepedoh ging ein Gelege eines Austernfischers verloren und in Auen musste das Nest einer Uferschnepfe ebenfalls als verloren eingestuft werden.

Veröffentlicht am 21.03.2008 von der Münsterländischen Tageszeitung

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