Von Tobias Böckermann Haren/Lathen. Sie heißen Henk und Frieda und haben das Zeug zum Sympathieträ­ger: Im Emsland brüten wie­der Störche – die ersten seit 1983. Zwischen Haren und Lathen hat ein schwarz-weiß-rotes Pärchen eine Nisthilfe be­zogen, die erst vor einem Jahr aufgestellt worden war.

Geschichte und Gefährdung

Noch vor rund 100 Jahren gab es im Emsland Dutzende Storchenpaare – der Kulturfolger brütete auf Dä­chern und Bäu­men und suchte sein Futter vor allem im Feucht­grünland an Ems und Hase. Die Intensivie­rung der Landwirtschaft hat dann dazu ge­führt; dass aus feuchten Wiesen trockene Äcker wurden – der Storch fand nicht mehr genug Nahrung. Die bislang letzte Storchenbrut im Emsland ist im Jahr 1982 gelungen, und zwar auf Gut Altenkamp in Aschendorf. 1983 brütete hier ein Paar erfolg­los. Den Altkreis Lingen hatte Adebar schon 1939 verlassen, den Altkreis Meppen im Jahr 1965.

Erst als der Sympathieträger bundesweit ge­schützt und ge­zielt neue Lebensräume ge­schaffen wur­den, breitete er sich wieder aus und ist inzwi­schen nicht mehr gefährdet. In den Nieder­landen wurde der Weißstorch sogar wieder an­gesiedelt. Auch in Ostfriesland gibt es einige Paare, dazu im Osnabrücker Land. In der Grafschaft Bentheim brüten seit 2007 wieder Störche. Zuzüge aus diesen Ge­bieten sowie aus einer sehr gro­ßen Population im Tierpark Rheine sind auch in der Zu­kunft im Ems­land denkbar. Allerdings benö­tigt jedes Weißstorchenpaar 200 Hektar Grünland in ei­nem Umkreis von drei Kilome­tern rund ums sein Nest. Die finden sich nur noch selten.

Daran, dass Henk und Frieda nicht nur ihre Namen, sondern auch ihren luftigen Nistplatz dem Kegelclub „Fidele Brüder” zu verdanken ha­ben, erinnert eine Gedenktafel am Schöpfwerk Stroedeel. Da­raufsteht, wer bei dem Einsatz im Februar 2008 dabei war – nämlich die durchweg natur­interessierten Mitglieder des Kegelclubs und einige Helfer. Auch der Niederländer Henk te Roos war dabei. Weil er in seiner Heimat schon Erfah­rungen beim Aufstellen eines Kunsthorstes gesammelt und diese eingebracht hat, haben die „Fidelen Brüder” einen Storch nach ihm benannt. Der zweite Name geht auf Friedel Albers zurück, der sich eben­falls stark engagiert hat.

Die Mitglieder des Kegel­clubs stammen aus Ober- und aus Niederlangen. Nach langer Vorarbeit und Beratung im Zoo Rheine hatten sie Mast und Kunstnest errichtet. Ein Plastikstorch sollte lebende Adebare auf den potenziellen Nistplatz aufmerksam ma­chen. Und alle hatten sich fest vorgenommen, geduldig zu sein.

„Aber viel Geduld war dann doch nicht notwendig”, freut sich Heiner Wienkamp. Er ist ebenfalls Mitglied im Kegel­club und hat die beiden Störche gerade fest im Blick. „Kar­freitag sind sie angekommen und geblieben.” Wienkamp steht mit Volker Blüml, Storchenbetreuer des Landes Niedersachsen unter anderem für das Emsland, und dem Lei­ter der Unteren Naturschutz­behörde des Landkreises, Lud­ger Pott, ein paar Hundert Me­ter vom Horst entfernt im Gras.

Wienkamps Grundstück grenzt an die Fläche, auf der Storch Henk gerade nach In­sekten und Würmern stochert. Ab und zu nimmt Henk auch altes Heu in den langen roten Schnabel, um es zu Frieda in den Horst zu tragen. Die sitzt in diesen Tagen auf mindes­tens einem Ei und steht jede halbe Stunde auf, um das Ge­lege zu wenden.

Storch aus Nordhorn

Ganz sicher ist diese Rollen­verteilung nicht. Männliche und weibliche Störche lassen sich rein äußerlich nicht unter­scheiden. „Aber die Weibchen sitzen tagsüber häufiger auf den Eiern als die Männchen”, sagt Volker Blüml, der den Horst mit einem Spektiv be­obachtet. Plötzlich macht er ei­nige Schritte zur Seite. Der sit­zende Storch ist aufgestanden und gibt den Blick auf einen Ring an seinem Bein frei: “2×237″- mit dieser Nummer ist er bei der Vogelwarte Helgo­land registriert. Ein Anruf dort  ergibt: Der Storch ist 2007 im Tierpark Nordhorn groß ge­worden – mit einem Geschwis­ter war er der erste flügge ge­wordene Wildstorch in der Grafschaft seit 1930 (wir be­richteten).

„Dass zweijährige Störche bereits brüten, ist sehr unge­wöhnlich”, sagt Blüml, und dass es gut möglich sei, dass die beiden Störche ihre Brut ver­lieren – „Jungtiere sind oft ein­fach zu unerfahren.” Auch könnte das Futterangebot für die vielleicht schlüpfenden Jungen nicht ausreichen. Dass sich der Storch also mit dieser Brut im Emsland wieder etab­liert, ist keineswegs gesagt.

Dennoch sind alle Beteilig­ten froh über den Rückkeh­rer und hoffen, dass die Stör­che ihre erste Brut trotz re­gen Interesses möglichst un­gestört großziehen können.

Veröffentlicht am 02.05.2009 von der EL am Sonntag

Mehr zum Thema:

  • 2. Juni 2009 -- Die Störche sind ausgeflogen – Vögel haben Brut aufgegeben
    Von Tobias Böckermann: Haren/Lathen. Die erste Storchenbrut im Emsland seit mehr 25 Jahren ist gescheitert: Die Störche "Henk" und "Frieda" haben ihr Nest verlassen. Mit ihnen aus dem Nest verschwunde...
  • 15. Dezember 2011 -- Einige Tiere leiden unter intensiver Landwirtschaft
    Niederlangen. Über die Auswirkungen der intensiven, auf Gewinn ausgerichteten Landwirtschaft auf die Tier- und Pflanzenwelt hat der Vizepräsident der Landesjägerschaft Niedersachsen, Josef Schröer, be...
  • 22. April 2012 -- Radfahrer erlebten den Himmel voller Lerchen – Rege Resonanz auf Exkursion in die Südraddeniederung
    Vrees/Vinnen (eb) - Mehr als 20 Radfahrer haben an einer Fahrradexkursion zu den Le­bensräumen von Uferschnep­fen, Brachvögeln und Kiebit­zen in der Südraddeniederung teilgenommen, die vom Umweltbildu...
  • 5. Februar 2012 -- Bundesamt warnt: Grünland verschwindet
    Vor den Folgen des weiter anhaltenden massiven Verlusts an Grünland in Deutschland hat das Bundesamt für Naturschutz (BfN) in einer kürzlich erschienen Pressemitteilung gewarnt. Grünlandflächen haben ...
  • 17. September 2011 -- Jäger um Mithilfe gebeten
    Es ist deutschlandweit bisher das größte Projekt aus dem LIFE-Natur-Programm: Mit 22,3 Millionen Euro hat die Europäische Kommission nun ein Wiesenvogelschutzprojekt für Niedersachsen genehmigt und wi...

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*


*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>